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Interview: Schüler*innen fragen Forscher*innen

Im Rahmen von virtuellen Interview Projekt haben die Schülerinnen und Schüler des BRG Kepplergasse 1 Graz Fragen an die Forscher*innen des Instituts für Umweltbiotechnologie (TU Graz) gestellt. Wir haben die 54 Fragen, die Schüler*innen gestellt haben in 5 Hauptkategorien aufgeteilt und sie an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Instituts verteilt.

Liest unten die Fragen und Antworten!*

*die Fragen wurden absichtlich auf Englisch übersetzt, damit die nicht-deutschsprachige Kolleg*innen sie verstehen könnten

 

Frage 1: How did you decide to become a scientist in environmental biotechnology? Did you always know that you’ll become a scientist/biologist?

Doktorand*in 1

  1. Nach dem Bachelor-Studium der Molekularbiologie habe ich das Master-Studium der Biotechnologie begonnen. Durch eine interessante Projektausschreibung des Umweltbiotechnologischen Instituts in Graz habe ich entschieden als Umweltbiotechnologe zu arbeiten.
  2. Nein, ich war zwar immer naturwissenschaftlich interessiert, habe aber zuerst im kaufmännischen Bereich gearbeitet.

Doktorand*in 2

Ich war schon immer sehr an der Biologie interessiert. Als Kind wollte ich immer Forscher werden und lief herum mit einem selbst zusammengestellten “Forscherkoffer”, mit Lupe, Plastikboxen und Pinzette usw. Die Entscheidung zur Biotechnologie im generellen fiel dann kurz vor Studienbeginn. Mich interessierte die Idee eine Zelle, eine lebende Zelle, industriell zu nutzen um Medikamente oder andere Stoffe zu produzieren, und auch das Vorbild Natur technologisch zu nutzen. Und am Institut für Umweltbiotechnologie bin ich dann eher zufällig gelandet, auf der Suche nach einer Masterarbeit.

Doktorand*in 3

Ich hatte während meiner Schullaufbahn sehr viele, sehr unterschiedliche Interessen, und ehrlich gesagt wusste ich bis zum Schluss nicht, wie meine berufliche Laufbahn aussehen sollte/könnte. In meinem Fall ist diese Entscheidung wirklich gewachsen. Nach meiner Matura bekam ich nicht direkt anschließend einen Platz für meinen Zivildienst, weswegen sich für mich eine Wartezeit ergab, die ich für ein Studium nutzen wollte. Aus Mathematik, Komposition und Biologie entschied ich mich schließlich für den Bachelorstudiengang Biologie. Ich hatte anfangs keine besonderen Erwartungen an den Studiengang, aber je länger ich studierte, desto begeisterter war ich von dem Umfang und der Vielfältigkeit dieser Wissenschaft. Am Ende meines Masterstudiums Ökologie stellte sich für mich die Frage nach einem Thema für meine Masterarbeit und ich stolperte im Prinzip zufällig über ein sehr interessantes Projekt am Institut für Umweltbiotechnologie, in dem gerade ein Masterstudent gesucht wurde. Die Ansätze und Ideen dieses Forschungsbereich interessierten und begeisterten mich sofort und ich schaffte es nach einigen bürokratischen Hürden, diese Arbeit durchzuführen und in weiterer Folge hier am Institut mein Doktoratsstudium zu beginnen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ich im Zuge meines Studiums immer meinen Interessen gefolgt bin und das Glück hatte, an einem Punkt anzugelangen, der mir wirklich Spaß macht und sehr sinnvoll erscheint.

Postdoc 1

Generell war ich immer schon sehr in Biologie interessiert, in die Richtung Mikrobiologie und Biotechnologie bin ich dann aber erst im Rahmen des Studiums gekommen

Postdoc 2

Frankly, I did not know what I wanted to do right after I finished high school. My parents wanted me to be a doctor. However, there was a new field emerged back in 2005 so called biotechnology that caught their attention. So, it was started by decision of my parents that allowed me to go to Biotechnology degree. Move forward, I find doing research is such an interesting job which makes me become a scientist.

Frage 2. What is so special about your profession? Why did you decide to become a biologist? Why do you do it? 

 Doktorand*in 1

  • Man hat jeden Tag was anderes zu tun bzw. hat jeden Tag neue Aufgaben.
  • Neben meiner kaufmännischen Tätigkeit arbeitete ich in unserem damaligen Familienbetrieb als Winzer. Dadurch bekam ich immer mehr Interesse an Biologie.
  • Interesse an Tieren, Pflanzen, Menschen und Mikroorganismen, und deren Abhängigkeit voneinander bzw. deren Zusammenspiel, etc.
  • Aussicht in Zukunft die Umweltschäden zu vermeiden, durch besseres Verständnis von Interaktionen zwischen Mikroorganismen und deren Umwelt.

Doktorand*in 2

Ich habe hier in diesem Institut, also im Bereich der Umweltbiotechnologie, die Möglichkeit zwei Dinge zu verbinden. Zum einen: die Biologie, die mich immer interessiert hat. Und zum anderen: hier kann ich mein Hobby, mein Interesse, also die Biologie erforschen und nutzen um meinen Beitrag zu leisten im Kampf gegen den Weltweiten Biodiversitätsverlust und eventuell auch gegen den Klimawandel, denn wir schaffen das Grundlagenwissen und auch Anwendungen, die auf der Natur basieren und somit umweltfreundliche Alternativen bieten.

Doktorand*in 3

Das Besondere an dieser Forschungsrichtung ist, dass sie uns Menschen, aber auch alle anderen mehrzelligen Lebewesen nicht nur als Teil eines Ökosystems, sondern die Individuen auch selbst als eigenes Ökosystem versteht. Dadurch können Vergleiche angestellt werden zwischen dem was global oder regional in Ökosystemen geschieht mit dem, was in jedem von uns, in einer Pflanze oder einem Tier passieren kann. Dadurch hoffen wir zu lernen, was ein „gesundes“ oder „stabiles“ Ökosystem ausmacht oder beinhalten muss.

Ich hatte in meiner Schulzeit eigentlich nie gute Biologielehrer, weswegen ich zum einen wenig über Biologie wusste und zum anderen bis zu meiner vorwissenschaftlichen Arbeit, die ich über das Thema Parasitismus schrieb, auch kein überdurchschnittliches Interesse. Diese Arbeit war im Endeffekt ausschlaggebend für meine Studienwahl. Meine Motivation für das Weiterarbeiten in diesem Bereich war, dass ich mich aktiv an Lösungen für das Zusammenleben von Mensch und Natur beteiligen wollte. Praktisch alle großen Probleme, vor denen die Menschheit derzeit steht, hat direkt oder indirekt mit Biologie zu tun (Klimawandel, sauberes Wasser, Bekämpfung des Hungers, Krankheiten), und die Umweltbiotechnologie ist ein Fachbereich der nicht nur Probleme aufzeigt bzw. protokolliert, sondern diese auch aktiv zu lösen versucht.

Postdoc 1

Es ist sehr interessant wenn man die Prozesse des Lebens im Detail kennt und versteht, das gibt einem einen ganz anderen Blickwinkel auf die Welt.

Postdoc 2

I like to learn and find new things. By doing research, you always learn and find new things during your entire career.

Frage 3. What was the most exiting experience/discovery in your professional career?

Doktorand*in 1

Durch den Einsatz einer Bakterienmischung konnten wir die Knollendeformation und die Sclerotienbildung, verursacht durch einen Schadpilz, an Kartoffelknollen stark verringern.

Doktorand*in 2

Ich stehe erst am Anfang einer wissenschaftliche Karriere, weshalb ich nur aus wenigen Ergebnissen wählen kann. Aber dennoch: In meiner Masterarbeit habe ich mich mit Enzymen beschäftigt, die in der Lage sind Fettsäuren in 1-Alkene umzuwandeln. Und 1-Alkene sind doch vielversprechende Stoffe, da sie als Biokraftstoffe verwendet werden können. Außerdem werden 1-Alkene in der chemischen Industrie benötigt, und heutzutage ausschließlich aus Erdöl und fossilen Brennstoffen hergestellt. Und die Informationen die ich gesammelt habe, können dabei helfen diese 1-Alkene in Zukunft dann biologisch und umweltfreundlich herzustellen.

Doktorand*in 3

Ich hatte einmal aus Interesse ein kleines Experiment angesetzt, in dem ich junge Keimlinge die in unterschiedlichen Erden gewachsen sind mit einer Pilzkrankheit infizierte. Nach wenigen Tagen waren die Keimlinge in der Erde mit wenig Mikroorganismen ausnahmslos abgestorben. In der Erde, die viele Mikroorganismen enthielt, hatten fast alle Keimlinge überlebt. Das hat mir deutlich veranschaulicht, wie groß das Potential dieser Forschung ist.

Postdoc 1

Das Arbeiten mit “Weltraumbakterien” von der Internationalen Raumstation war sehr aufregend.

Postdoc 2

I like to learn and find new things. By doing research, you always learn and find new things during your entire career.

Frage 4. What do you believe, is the most important discovery in the microbiome research?

Doktorand*in 1

Es gibt keine “beste oder wichtigste Entdeckung“. Die Vielzahl der Entdeckungen sind Puzzleteile eines komplexen Systems. Jedes Puzzlestück ist eine wichtige Entdeckung.

Doktorand*in 2

Das ist eine sehr schwierige Frage. Vielleicht dass der Mensch nicht nur aus menschlichen Zellen besteht, sondern eben Lebensraum ist für sehr, sehr viele Mikroorganismen. Und wenn es unseren guten alten Freunden, die sich gemeinsam mit uns entwickelt haben, gut geht, dann geht es auch uns Menschen gut. Diese Entdeckung führt laufend zu neuen Ergebnissen, die Krankheiten erklären und auch Behandlungsmethoden bieten. Diese Bakterien kommunizieren sogar mit unserem Gehirn!

Doktorand*in 3

Das ist gar nicht so leicht zu beantworten, aber ich denke die wichtigste Entdeckung einer Forschungsrichtung ist immer die, die sie begründet. Das heißt für die Mikrobiomforschung die Entdeckung, dass es weitaus mehr Mikroorganismen gibt als die, die wir im Labor züchten können und die meisten davon nicht schädlich sind.

Postdoc 1

Das lässt sich schwer festmachen, da es soviele gibt. Zusätzlich zu den Punkten in Frage 5 kann man noch die Erforschung des humanen Mikrobioms und wie wichtig diese Bakterien für uns sind nennen. In der Mikrobiologie allgemein sind zwei der wichtigsten Entdeckungen für die Menschheit (nicht unbedingt für die Umwelt 😉 ) freilich z.B. die Entdeckung von mikrobiologisch hygienischen Praktiken in der Medizin und die Entdeckung von Antibiotika.

Postdoc 2

Two most important things are discovery of polymerase chain reaction and next generation sequencing

Frage 5. Do you believe that microbiome research can help saving our environment? Can you give some examples from your own research or from research of others, please.

Doktorand*in 1

  1. Definitiv, ja.
  2. Wie in Punkt 3 beschrieben, haben wir mittels einer Mischung von natürlichen Mikroorganismen einen Befall eines Schadpilzes verringert. Dadurch verringert man den Einsatz von Pestiziden am Feld.

 Doktorand*in 2

Definitiv. Wie schon erwähnt, bietet die Umweltbiotechnologie umweltfreundliche, ressourcen- und klimaschonende Alternativen (siehe Frage 3).

Doktorand*in 3

Definitiv. Gerade in der Landwirtschaft haben wir als Menschheit in den letzten 100 Jahren auf Praktiken und Substanzen verlassen, die in der Natur so gar nicht oder nur selten vorkommen. Jeder Organismus hat eine Millionen Jahre alte evolutionäre Geschichte hinter sich, in der er mit denselben Problemen zu kämpfen hatte, z.B. was tun bei einer Krankheit oder wie bekomme ich ausreichend Nahrung. Deswegen sind die Lösungen für die Probleme in der Natur schon vorhanden, wir müssen sie nur finden. In meinem Forschungsbereich, der biologischen Insektenkontrolle mit Insektenkrankheiten, gab es bereits große Erfolge, bis die chemische Kontrolle mit synthetischen Substanzen sie praktisch komplett ersetzte, weil sie billiger und einfacher umzusetzen war. Die Probleme, die sich daraus ergaben wurden erst viel später sichtbar. Mikroorganismen können nicht nur in der Landwirtschaft gewünschte Effekte (Kontrolle von Insekten) haben, sondern auch Fehler der Vergangenheit wieder ausbessern (z.B. durch Abbau von giftigen Substanzen im Boden).

Postdoc 1

Sicher, wenn auch nicht alleine für sich ist die Mikrobiomforschung ein mächtiges unterstützendes Werkzeug in mikrobiologischen Lösungsansätzen weil es die Hintergrundinformation für all diese Ansätze generiert. Zum Beispiel:

  • Erforschung von Öl und (Mikro-)Plastik abbauenden Bakterien in den Weltmeeren.
  • Erkennen von Biomarkern/ fast gekippten Ökosystemen zur Früherkennung von (schwerer) Umweltverschmutzung.
  • Erforschen methanogener Mikroben gemeinschaften) und deren molekularer Maschinerie mit dem Ziel nachhaltige, biologische, kontrollierte Methanreaktoren zu entwickeln
  • und weniger auf die Umwelt sondern auf Corona bezogen werden nun schon weltweit Frühwarnsysteme entwickelt um Corona-ausbrüche zB im Abwasser-Mikrobiom zu erkennen bevor man erkennt dass man viele kranke Menschen in der Region hat. Auch hier kann Mikrobiomforschung helfen.

Postdoc 2

Yes, I do. Using beneficial microorganism to minimalize input of fertilizer and pesticide.

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